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Pressemitteilung vom 20.04.2006


Ausbildungssituation und Jugendarbeitslosigkeit in Mecklenburg-Vorpommern nach wie vor desolat: DGB hält an Ausbildungsumlage fest


„Der Politik im Land ist es trotz großer Anstrengungen nicht gelungen, die Schieflage am Ausbildungs- und Arbeitsmarkt zu beseitigen. Dadurch wird in Mecklenburg-Vorpommern ein Klima der Perspektivlosigkeit unter Jugendlichen verfestigt, das sie auch empfänglicher macht für rechtsextreme Parolen.“ Das sagte der stellvertretende DGB Nord-Vorsitzende Ingo Schlüter heute in Schwerin.
Die Jugendarbeitslosigkeitschwanke in Mecklenburg-Vorpommernseit Jahren zwischen knapp 20 und 25 Prozent und liege damit deutlich über den Quoten in den alten Bundesländern (Hamburg: 11 Prozent; Schleswig-Holstein 12 Prozent). Im Vergleich zu den alten Bundesländern seien in M-V trotz abgeschlossener Berufsausbildung doppelt so viele Jugendliche langzeitarbeitslos. Rund 80 Prozent der ALG I– und 60 Prozent der ALG II– Empfänger zwischen 20 – und 25 Jahren verfügten über eine abgeschlossene Berufsausbildung. Ausbildung schütze also, so Schlüter, nicht vor Arbeitslosigkeit und drohendem sozialen Abstieg.

Gleichzeitig strömten jedes Jahr Tausende von Jugendlichen auf den Ausbildungsmarkt. Schlüter: „2005/06 kamen auf 100 Bewerber nur 40 betriebliche Ausbildungsplätze. Diese ,Ausbildungslücke’ wird weder durch verbale Versprechungen der Wirtschaft, noch durch gut gemeinte Appelle aus Kreisen der Regierung geschlossen.“ Deshalb müsse auch das Niveau der außerbetrieblichen Ausbildung auf dem jetzigen Stand gehalten werden.

Der Gewerkschafter forderte erneut eine Ausbildungsabgabe, die ausbildende Betriebe belohne und Betriebe die nicht ausbildeten, finanziell in die Pflicht nehme. Schlüter: „Denkbar wäre auch, dass in einem ersten Schritt ausbildende Betriebe die Gebühren für die Abschlussprüfungen vor den Kammern erstattet bekommen. Pro Auszubildenden sind das immerhin 600 Euro.“

Sorgen bereitet dem DGB nach wie vor die hohe Abwanderungsquote, allein 2004 seien 3443 junge Menschen in die alten Bundesländer gegangen. Schlüter:“ Was das langfristig für die Wirtschaft des Landes bedeutet, kann man sich leicht ausmalen. Auf massenhafte Rückkehr sollte man nicht hoffen.“ Der Abwanderungstrend müsse gestoppt werden. Es genüge nicht, die Aufklärung gegen Rechts zu forcieren. Vielmehr müsse der realen Hoffnungs- und Perspektivlosigkeit der Jugendlichen entgegengetreten werden.

Der DGB unterstütze daher Planungen von Arbeitsminister Holter, eine langfristige zielgenaue und zukunftsgerichtete Beschäftigungsinitiative zu initiieren, die geeignet sei, die Qualifikation und die Beschäftigungsfähigkeit der Jugendlichen zu erhalten und zu erweitern. Mögliche Einsatzbereiche seien z.B. das Sozialwesen und der Naturschutz sowie Vereine und sonstige soziale Träger.
Eine Entlohnung nach dem Modell der Ein-Euro-Jobs lehne er, so Schlüter, allerdings strikt ab, eine Vergütung in Höhe des branchenüblichen Tarifvertrages sei notwendig, damit die jungen Menschen hier bleiben. Wer nicht genug verdiene, gehe irgendwann einfach. Auch dürften bereits bestehende sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze nicht verdrängt werden. Schlüter: „Damit würden wir an einer Stelle ein Loch aufreißen, um es an einer anderen zu stopfen – ein Teufelskreis.“

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